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Was Personal Trainer*innen über Depressionen wissen müssen!

Jeder zweite Mensch in der Schweiz leidet im Laufe seines Lebens einmal an einer psychischen Erkrankung. Und vielleicht betreust Du sogar eine Klient*in, die mit Depressionen kämpft. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Du als Personal Trainer*in weisst, wie Du die Symptome erkennst und was zu tun ist!

Die Depression gehört weltweit zu den schwerwiegendsten und bedeutendsten Krankheiten. Sie betrifft bis zu 20% der Bevölkerung. Das Denken, die Gefühle, der Körper, die sozialen Beziehungen – ja das ganze Leben ist durch diese Krankheit beeinträchtigt. Trotz ihrer enormen Bedeutung wird die Depression häufig nicht erkannt oder unzureichend behandelt.

In einer Depression verändert sich das ganze Leben: Nicht nur die Stimmung ist getrübt – was auch als innere Leere bezeichnet werden kann – sondern es besteht eine tiefsitzende Unfähigkeit, irgendeine Freude zu empfinden. Farben, Musik, positive Ereignisse – das alles erreicht einen nicht mehr. Man hat ein beklemmendes Gefühl der Erschöpfung, eine oft lähmende Antriebslosigkeit, neigt zu Schuldgefühlen und Selbstvorwürfen. Es bestehen häufig Schlafstörungen: Betroffene schlafen schlecht ein, können meistens nicht durchschlafen und liegen ab den frühen Morgenstunden grübelnd im Bett. Appetitstörungen sind ebenfalls verbreitet – es schmeckt einfach nichts.

Woher kommen Depressionen?

Depressionen können durch stressige oder traumatische Erfahrungen im Leben eines Menschen verursacht werden, z. B. durch Arbeitsprobleme, Beziehungsprobleme, den Tod eines geliebten Menschen oder Mobbing. Aber auch biologische Veränderungen im Körper, beispielsweise nach einer Geburt. Wie gross der Einfluss genetischer Faktoren ist, wird von verschiedenen Fachleuten unterschiedlich beurteilt.

Nur wenige sprechen offen über Depressionen oder suchen Hilfe! Mythen, Missverständnisse und Stigmatisierungen sind für viele betroffene Menschen Hindernisse für eine Behandlung.

Die meisten Betroffenen reden nicht über ihr Leiden, denn die Volkskrankheit Depression will so gar nicht zu unserem Zeitgeist passen: Funktioniere, leiste – sei glücklich. Schliesslich stehen uns heute unbegrenzte Möglichkeiten offen, um uns und unser Leben zu optimieren. Wer da unglücklich ist, ist geradezu selber schuld – und schweigt lieber.

Das führt dazu, dass Betroffene ihre Krankheit lieber geheim halten und nur ihre Symptome behandeln lassen. Zu «Kopfschmerzen» oder «Schlafstörungen» gibt es nicht viel zu erklären. Sagt man: «Ich habe Depressionen», läuft man dagegen Gefahr, auf Unverständnis oder Vorurteile zu stossen.

Betroffene sind keine Versager, auch nicht faul oder wehleidig! Sie leiden an einer ernsthaften Krankheit. Wenn diese erkannt wird, ist sie in den meisten Fällen gut behandelbar. Wichtig ist, dass über Depression gesprochen wird!

Was sind die Symptome einer Depression?

Depressionen betreffen Menschen auf vielfältige Weise und können sich bei jedem Einzelnen sehr unterschiedlich darstellen. Achte auf folgende Anzeichen:

  • Eine plötzliche Veränderung in der Persönlichkeit
  • Soziale Isolation
  • Angst, innere Unruhe
  • Reizbar
  • Leicht frustriert
  • Übermässig selbstkritisch
  • Schwierigkeiten beim Schlafen oder Essen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Vernachlässigung der Hobbies und Interessen
  • Freudlosigkeit
  • Antriebslosigkeit (bewegen sich oft kraftlos, schleppend oder unmotiviert)
  • Hoffnungslosigkeit
  • Suizidgedanken

Eine vorübergehende Stimmungsänderung deutet nicht automatisch auf eine Depressionsdiagnose hin. Wenn die negativen Gefühle jedoch länger als ein paar Wochen anhalten und den Alltag der Person beeinträchtigen, besteht Grund zur Sorge!

Mein erster Tipp bevor Du helfen willst: Besorg Dir Fakten!

Warte nicht, bis Du selbst ins Fettnäpfchen trittst. Um das Leiden der betroffenen Person besser nachvollziehen zu können, lohnt es sich nachzulesen wie sich eine Depression (oder eine andere psychische Erkrankung) anfühlen kann. Verschaffe Dir einen Überblick über Mythen, Missverständnisse und Stigmatisierungen. Hier meine Tipps:

Und ganz nebenbei, gehst Du im Kampf für eine tolerante Gesellschaft mit gutem Beispiel voran. Und sei Dir bewusst, dass psychische Erkrankungen jeden treffen können – auch Dich.

Was kannst Du als Personal Trainer*in tun

Zuhören

Im „Kommunikationszeitalter“ ist das persönliche Gespräch schon fast eine Kostbarkeit geworden. So gilt genaues Zuhören, zum Beispiel beim Gesundheitscheck. Viele Betroffene klagen auch über körperliche Beschwerden. Angstzustände können zu Herzrasen und schlechtem Schlaf führen, eine innere Anspannung führt zu einem erhöhten Muskeltonus und zu schmerzenden Gelenken. Ausserdem werden bereits vorhandene Leiden während einer Depression stärker wahrgenommen. Wer schon immer Rückenschmerzen hatte, kann diese während einer depressiven Phase als unerträglich empfinden.

Ein Stammkunde von mir, nennen wir ihn Andreas, lernte ich vor seiner Depression kennen. Andreas war hochmotiviert und konnte problemlos ein intensives 60-minütiges Ganzkörpertraining durchführen. Jede Stunde wurde gefetzt und mit einem breiten Lächeln beendet. Nach seiner Diagnose Depression kämpfte Andreas mit seiner Motivation Fitness zu treiben. Dies führte dazu, dass er sich inkompetent fühlte und sich dadurch seine Stimmung noch weiter senkte.

Ich begann sofort das Training anzupassen: Eine kürzere Routine, reduzierte die Gewichte, einzelne Übungssätze und eine viel geringere Gesamtintensität. Und trotz der reduzierten Belastung, bemerkte ich bei Andreas, dass er Probleme hatte und viel schneller als gewöhnlich müde wurde.

Nimm’s nicht persönlich

Da viele Depressive an quälendem Grübeln und an einer motorischen Gehemmtheit leiden, können Unterhaltungen schwierig und einsilbig verlaufen. Personal Trainer*innen müssen möglicherweise auch ihre Erwartungen und Motivationsmethoden anpassen. Aggressive und autoritäre Trainingsmethoden helfen einer depressiven Klient*in nicht. Dafür Geduld und ein guter Umgang mit Stimmungsschwankungen.

Welches Training ist am besten?

Um den Nutzen des persönlichen Trainings weiterhin sicherzustellen, solltest Du als Personal Trainer*in darauf abzielen, dass die Trainingseinheiten Spass machen und wenn möglich rhythmisches Atmen beinhalten – da dies einen meditativen Effekt haben kann. Es wurde festgestellt, dass sowohl Cardio- als auch Krafttraining positive Auswirkungen haben können. Andere Aktivitäten, die helfen können, umfassen Yoga und Lachyoga.

Es sollten intensive Wettkampfübungen oder schwere Gewichte vermieden werden. Ziel sollte es sein, Deine Klient*in in Bewegung zu bringen, ohne den Stress zu erhöhen, der ohnehin bereits erlebt wird.

Überlade Deine Klient*in nicht mit einem überfüllten Trainingsplan, bei dem es viel zu beachten gibt. Depressionen äussern sich häufig in Konzentrationsschwierigkeiten. Gestalte einen übersichtlichen und klar strukturierten Trainingsplan – weniger ist häufig mehr!

Ansonsten solltest Du Deine Klient*in dazu ermutigen mehr Bewegung in den Tagesablauf zu integrieren. Ermutige daher zum Beispiel zu Fuss zur Arbeit zu gehen. Und wenn möglich am Wochenende mit Aktivitäten wie Wandern oder anderen Sportarten aktiv zu sein.

Versuche Deine Klient*in dazu zu bringen, Bewegung als eine Wahl des Lebensstil zu betrachten, welche als Routine integriert werden kann (anstatt als eine Aufgabe, die geplant werden muss).

Worauf Du sonst noch zu achten hast!

Als Personal Trainer*in musst Du Dir bewusst sein, dass nicht nur die Depression selbst berücksichtigt werden muss, sondern dass Depressionsmedikamente auch erhebliche Nebenwirkungen haben können. Zum Beispiel können Klient*innen einen unterdrückten Appetit oder einen niedrigeren Blutdruck als normal verspüren, während sie Medikamente einnehmen. Wie Du sicherlich weisst, benötigt es mit einem niedrigeren Blutdruck zusätzlich Zeit, um sich beim Sitzen oder Aufstehen bei verschiedenen Übungen anzupassen, um ein Ohnmachtsgefühl zu vermeiden.

Sei Dir bewusst, dass Du als Personal Trainer*in eine wichtige Rolle bei der Genesung von Depressionen spielst! Du kannst die Trainingsroutine so anpassen, dass die Wohlfühlhormone funktionieren und damit die depressive Klient*in das Gefühl vermittelt bekommt, in ihren Trainings etwas erreicht zu haben.

Leider ist das Thema Depression stark tabuisiert und mit viel Scham besetzt – und das, obwohl immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft darunter leiden. Umso wichtiger ist es, Verständnis aufzubringen, einen wachsamen Blick zu haben und die Gefühle bei sich selbst oder von anderen ernst zu nehmen! Darum:

Rede über alles, auch über Leistungsdruck, Konflikte und Sorgen: «Wie geht’s dir?»

 

Rechtlicher Ausschluss: Dieser Beitrag behandelt ein Gesundheitsthema und versteht sich als allgemeine Gesundheitsinformation. Er dient nicht der Selbstdiagnose und ersetzt auch nicht das fachliche Urteil eines Arztes. Bitte konsultieren Sie bei gesundheitlichen Beschwerden einen Arzt oder lassen Sie sich in einer Apotheke beraten.

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